23.03.26
Ich hatte Gelegenheit, am Anlass PURE 2026, teilzunehmen. Organisiert wurde der Anlass von der ewah AG. Besonders interessant fand ich das interdisziplinäre Programm, das unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Hygiene ermöglichte. Der Abend vermittelte nicht nur Fachwissen, sondern vor allem ein Gesamtbild davon, was gute Hygiene in der Praxis ausmacht. Es geht um Systematik, klare Verantwortlichkeiten, konsequente Umsetzung und belastbare Dokumentation.
Ein wichtiger Schwerpunkt lag auf den rechtlichen Aspekten rund um Legionellen. Daniel Staffelbach und Fabian Altmann von Walder Wyss zeigten auf, wie schnell sich aus erhöhten Legionellenwerten nicht nur ein technisches, sondern auch ein haftungs und mietrechtliches Problem entwickeln kann.
Besonders prägnant war die Aussage «Filter verwalten das Risiko, sie beseitigen es nicht.» Damit wurde klar, dass Sofortmassnahmen zwar nötig sein können, aber keine nachhaltige Sanierung ersetzen. Ebenso zentral ist die saubere Beweisführung durch Messwerte, Protokolle und nachvollziehbare Dokumentation. Gerade in Konfliktfällen entscheidet oft nicht nur die technische Beurteilung, sondern auch die Frage, was belegt und dokumentiert werden kann.
Im Beitrag von Gabriela Zanettin wurde deutlich, welche Schlüsselrolle das Facility Management im Gesundheitswesen spielt. Facility Management wurde als integraler Bestandteil sicherer Betriebsabläufe beschrieben, mit Verantwortung für Technik, Infrastruktur, Prozesse und Koordination.
Eine Kernaussage lautete «Ein gut funktionierendes Facility Management ist für Gesundheitseinrichtungen entscheidend, da es das Rückgrat der nicht medizinischen Betriebsabläufe bildet.» Gerade bei hygienerelevanten Ereignissen zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel von strategischer, taktischer und operativer Ebene ist. Hygiene ist damit nicht nur eine Fachaufgabe, sondern auch eine Führungs und Organisationsaufgabe.
Dr. Thomas Leiblein stellte die Auditierung als wirkungsvolles Führungsinstrument vor. Audits wurden nicht als blosse Kontrolle verstanden, sondern als strukturierte Methode, um Prozesse, Zustände und Verantwortlichkeiten sichtbar zu machen.
Besonders einprägsam war der Satz «Ein Auditor findet nichts, weil er nicht sucht. Er stellt Tatsachen fest.» Audits schaffen Transparenz, zeigen Schwachstellen auf und liefern dem Management eine Grundlage für Prioritäten, Massnahmen und kontinuierliche Verbesserung. Gerade in komplexen Betrieben kann diese systematische Sicht helfen, Risiken früh zu erkennen und Entwicklungen besser zu steuern.
Im Referat von Prof. Dr. Walter Zingg stand die Prävention von Infektionen im Zentrum. Anhand von Daten, Studien und internationalen Konzepten wurde aufgezeigt, dass wirksame Prävention nicht auf Einzelmassnahmen beruht, sondern auf einem Bündel koordinierter Massnahmen. Dazu gehören Ressourcen, Schulung, Surveillance, Audits, Standards und Führung.
Besonders relevant war dabei der Hinweis auf die Unternehmenskultur. «Eine positive Unternehmenskultur, welche die Kommunikation und die Arbeitsbeziehungen zwischen Mitarbeitenden und Abteilungen aktiv unterstützt.» Prävention wurde damit als gemeinsame organisatorische Aufgabe greifbar. Sie gelingt dort am besten, wo sie im Alltag verankert ist und von der gesamten Organisation mitgetragen wird.
Die Perspektive des Vollzugs brachte Dr. Mattias Fricker vom Amt für Verbraucherschutz Kanton Zug ein. Sein Beitrag machte deutlich, wie komplex die regulatorische Einordnung sein kann, insbesondere dort, wo Trinkwasser und Dusch- beziehungsweise Badewasser in der Praxis eng zusammenhängen.

Prägnant formuliert wurde dies mit dem Satz «Beides befindet sich in der Regel in derselben Leitung, das macht es nicht einfacher.» Im Zentrum stehen risikobasierte Kontrollen, klare Anforderungen an Betrieb und Unterhalt sowie die frühzeitige Erkennung hygienischer Schwachstellen. Damit wurde sichtbar, wie wichtig praxistaugliche Vorgaben und klare Zuständigkeiten im Alltag sind.
Zum Abschluss zeigte Andreas Bopp am Beispiel der Stadt Zürich, wie ein grosses Immobilienportfolio mit einem strukturierten Legionellenmanagement bewirtschaftet werden kann. Im Vordergrund standen risikobasierte Selbstkontrolle, Monitoring, Temperaturkontrollen, Beprobungen, Betriebsvorgaben und klar definierte Abläufe bei Auffälligkeiten.
Damit wurde deutlich, dass Prävention Teil des Normalbetriebs sein muss und nicht erst beginnt, wenn bereits ein Problem vorliegt. Der Beitrag zeigte sehr konkret, wie technische Überwachung, organisatorische Abläufe und dokumentierte Massnahmen zusammenspielen müssen, damit Risiken beherrschbar bleiben.
Der Anlass zeigte sehr anschaulich, dass Hygiene nur dann nachhaltig funktioniert, wenn Fachwissen, Prozesse, Management, Vollzug und praktische Umsetzung ineinandergreifen. Gute Hygiene ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines funktionierenden Systems.