16.03.26

Wo Sauberkeit und Hygiene lebenswichtig sind

In kaum einem anderen Bereich sind Reinigung und Desinfektion so entscheidend wie in Spitälern. Sauberkeit ist die Grundlage für Hygiene, da Schmutz und Staub ideale Brutstätten für Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren bilden. Umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmassnahmen sind essentiell, um Patienten eine sorgenfreie Umgebung zu bieten und Vertrauen zu schaffen. Welche Methoden haben sich dafür bewährt, welche Technologien entlasten das Reinigungspersonal und wo lauern mögliche Fehlerquellen?

Kärcher Patientenzimmer

Unbeschwerter Empfang: Aussen-/Eingangsbereich, Flure & Co.

Um für die Patienten bereits bei der Ankunft eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, sollte der Aussenbereich gepflegt sein. Doch Sauberkeit in den Aussenanlagen ist nicht nur für den ersten Eindruck wichtig. Auch der Schmutzeintrag ins Gebäude lässt sich auf diese Weise wirksam reduzieren, was den Aufwand für die Innenreinigung spürbar reduziert. Kehrmaschinen sind dafür gut geeignet, wobei je nach Fläche handgeführte Modelle oder Aufsitzmaschinen zu empfehlen sind. Im Eingangsbereich sind Schmutzfangmatten sinnvoll, damit noch weniger Schmutz in den Innenraum gelangt. Um diese regelmässig abzusaugen, sind Staubsauger mit HEPA-Filtern die richtige Wahl. Sie sorgen für Sauberkeit und die feine Filtration stellt sicher, dass möglichst wenige Krankheitserreger in die Umgebung gelangen. Dadurch lässt sich die Verbreitung vieler Mikroorganismen verhindern, da sie an anderen Partikeln anhaften und gemeinsam mit Schmutz und Staub aus der Umgebungsluft gefiltert werden.

Technische Helfer für die Bodenreinigung: Scheuersaugmaschinen und Roboter

In Eingangs-, Aufenthaltsbereichen und Fluren müssen die Böden laut Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zwar nicht desinfiziert, aber gründlich gereinigt werden. Je nach Flächengrösse sind dafür Scheuersaugmaschinen mit leistungsstarker Absaugung eine gute Lösung. Damit lassen sich die Flächen schneller und vor allem gründlicher reinigen als durch manuelles Wischen.

Um das Personal noch mehr zu entlasten und die teilweise sehr langen Gänge in Kliniken effizient zu reinigen, können Scheuersaugroboter eine hilfreiche Unterstützung sein. Sie sind in der Lage, grosse Flächen zügig zu bearbeiten und selbst in engeren Umgebungen zu manövrieren. Autonom arbeitende Modelle steuern beispielsweise Dockingstations selbstständig an, füllen Ressourcen nach und reinigen mehrere Tausend Quadratmeter Bodenfläche pro Tag – ohne menschliche Hilfe. Zudem lassen sich Reinigungsrouten ohne Programmierkenntnisse ganz einfach anlegen. Um Menschen, bewegliche Hindernisse und stehende Objekte zuverlässig zu erkennen, muss der Roboter in stark frequentierten Bereichen sicher navigieren. Im Idealfall ist diese Eigenschaft durch eine externe Prüfstelle bestätigt. Sind Kameras im Einsatz, sollte gewährleistet sein, dass die Daten vom System nicht gespeichert werden können.

Zur Entlastung des Personals von körperlich anstrengenden, monotonen Tätigkeiten können Scheuersaugroboter eine hilfreiche Unterstützung sein. Sie sind in der Lage, grosse Flächen zügig zu bearbeiten.

Boden- und Flächendesinfektion: Der OP-Bereich

In grossen OP-Bereichen müssen die Bodenflächen in den Gängen zusätzlich zur maschinellen Reinigung desinfiziert werden. Wird dabei eine Scheuersaugmaschine eingesetzt, muss die Maschine selbst in hygienisch einwandfreiem Zustand sein. Das Desinfektionsmittel wird nach Herstellerangaben dosiert, in den Tank gegeben und ist für einen Arbeitstag haltbar. Danach ist es zu entsorgen, der Tank zu reinigen und am nächsten Tag frisch zu befüllen. Wegen der beengten Platzverhältnisse im OP-Saal sind Wischbezüge und Desinfektionsmittel zur Bodendesinfektion in der Regel besser geeignet.

Zwischen Operationen bleiben meist nur wenige Minuten Zeit, um die OP-Säle zu desinfizieren. Die Reinigungsteams stehen flexibel auf Abruf bereit, denn die Abläufe lassen sich aufgrund von längeren Operationen oder Notfällen selten nach Plan realisieren. Zunächst sind Blut und andere Verschmutzungen zu entfernen und anschliessend alles zu desinfizieren – von Wänden über OP-Leuchten und Oberflächen bis hin zu den Rädern der Hocker. Dazu werden die Flächen mit Desinfektionsmittel benetzt. Es trocknet danach selbstständig ab. Nachspülen oder Abwischen ist nicht erlaubt, da sich damit die Desinfektionswirkung abschwächen kann. Die Grundreinigung findet statt, wenn der Operationssaal für eine Weile geschlossen oder ein geeignetes Zeitfenster gefunden werden kann.

Das Patientenzimmer: K.o. für Keime

Damit keine Keime von einem Patientenzimmer zum nächsten verschleppt werden, sind korrekte Reinigungsabläufe entscheidend. Für die manuelle Oberflächenreinigung sind die Vorkonditioniert- oder Sprühmethode sichere Vorgehensweisen, da die Reinigungstücher dabei nicht immer wieder in der gleichen Reinigungsflotte getränkt werden. Das Vorgehen ist einfach und auch für die Reinigungskräfte gut zu handhaben, da kein Eimer mit Wasser mitgeführt werden muss. Es können zwei- bis dreimal gefaltete Tücher eingesetzt werden, die bereits mit der passenden Menge Reinigungsmittel getränkt sind. Alternativ ist ein Schaumdispenser geeignet, um die Reinigungslösung vor Ort auf vorgefaltete Reinigungstücher aufzubringen. Dann wird die erste Oberfläche mit einer frischen Tuchseite gereinigt und das Tuch anschliessend für jede weitere Oberfläche so lange aufgefaltet, bis alle Tuchseiten benutzt sind. Danach wird es abgeworfen und durch ein frisches ersetzt.

Je nach Einsatzbereich finden dabei Reinigungstücher in unterschiedlichen Farben Verwendung. Oberflächen im Patientenzimmer wie Tische, Fensterbänke oder Rollcontainer werden mit einem blauen Tuch gereinigt, für Toiletten, Urinal und Spritzbereiche ist Rot als Signalfarbe reserviert, gelb für den restlichen Sanitärbereich, z.B. für Waschbecken, Armaturen und Ablagen. Grün ist meist nicht allgemein verbindlich definiert und kann je nach Gegebenheiten individuell zugeordnet werden. Der Einsatz des Farbsystems schafft Sicherheit für das Reinigungspersonal und Vertrauen bei Patienten und Besuchern. Selbstverständlich werden für jeden Raum  neue  Tücher verwendet.

Zu desinfizieren sind im Patientenzimmer lediglich Oberflächen, die durch häufigen Hand- und Hautkontakt ein hohes Infektionsrisiko bergen. Für Reinigung und Desinfektion gilt generell, dass die Reinigungskraft über die geeignete persönliche Schutzausrüstung verfügen und Handschuhe tragen muss.

Um Böden im Patientenzimmer effizient zu reinigen und rutschsicher zu halten, wird zwischen losen und haftenden Verschmutzungen unterschieden. Loser Schmutz lässt sich mit Ein- oder Mehrwegtextilien über staubbindendes Wischen aufnehmen, haftende Verschmutzungen müssen nass entfernt werden. Die Vorkonditioniert-Methode empfiehlt sich auch für die Bodenreinigung, da dadurch das wiederholte Eintauchen und Auswringen eines bereits verwendeten Mopps in der Reinigungsflotte vermieden wird. Für jedes Zimmer muss ein frischer Mikrofaser-Wischbezug verwendet werden, damit keine Mikroorganismen von einem ins nächste Patientenzimmer gelangen.

Hygiene auf dem Speiseplan: Die Spitalküche

Sind Lebensmittel im Spiel, hat Hygiene generell oberste Priorität, vor allem in einem derart sensiblen Umfeld wie der Spitalküche. Für die Reinigung der Wandfliesen zum Beispiel können Hochdruckreiniger in Kombination mit Schaumdüsen oder Becherschaumlanzen zum Einsatz kommen. Um Mikroorganismen zuverlässig den Nährboden zu entziehen, empfiehlt sich ein Wechsel zwischen sauren und alkalischen Schaumreinigungsmitteln. Bei zementhaltigen Fugen ist allerdings Vorsicht geboten. Da sie säureempfindlich sind, sollten sie vorab gewässert werden, damit sie sich ausreichend mit Wasser vollsaugen und nicht durch die Säure geschädigt werden.

Zur Reinigung strukturierter Bodenfliesen mit Verdrängungsnoppen können Orbital- oder Scheuersaugmaschinen mit Walzenausführung zum Einsatz kommen.

Die Bodenflächen in Spitalküchen sind meist mit strukturierten Bodenfliesen mit Verdrängungsnoppen ausgestattet. In deren Vertiefungen lagern sich sehr leicht Verunreinigungen wie Fett oder Speisereste ab. Um den Boden schnell und effizient zu reinigen, sind Hochdruckreiniger in Kombination mit Flächenreinigern mit einem rotierenden Düsenbalken und leicht versetzten Powerdüsen geeignet. Alternativ können auch Orbital- oder Scheuersaugmaschinen mit Walzenausführung zum Einsatz kommen. Die Walzen sind praktisch selbstreinigend, da der Schmutz aufgrund der hohen Umdrehungszahl nicht daran haften bleiben kann.

Eine Desinfektion der Lebensmittelkontaktflächen sollte generell nur dann erfolgen, wenn diese zuvor  gereinigt wurden. Nach der Reinigung und Einwirkzeit des Desinfektionsmittels muss ausreichend mit Wasser in Trinkwasserqualität gespült werden, um Desinfektions- und Reinigungsmittelreste rückstandslos zu entfernen.

Gut zu wissen

Potenzielle Fehlerquellen: Der Seifenfehler
Wenn Desinfektionsmittel auf Basis kationischer Tenside auf eine Oberfläche trifft, auf der sich Rückstände von Reinigungsmitteln auf Basis anionischer Tenside befinden, können sich die kationischen Tenside des Desinfektionsmittels mit denen des Reinigungsmittels verbinden. Dadurch entsteht ein wasserunlösliches Riesenmolekül. Dieser sogenannte Seifenfehler kann die Wirkung des Desinfektionsmittels aufheben. Sollen also Oberflächen desinfiziert werden, die vorher mit einem Reinigungsmittel auf Basis anionischer Tenside gereinigt wurden, sind diese Flächen gründlich zu spülen, sodass sich keine Reinigungsmittelrückstände mehr auf der Oberfläche befinden. Ist die Oberfläche aufgrund eines Seifenfehlers sehr klebrig, kann ein Reinigungsmittel mit erhöhtem Lösemittelanteil Abhilfe schaffen.

Potenzielle Fehlerquellen: Der Eiweissfehler
Befinden sich eiweisshaltige Verschmutzungen auf der Oberfläche, konzentriert sich das Desinfektionsmittel auf die Eiweissverschmutzungen und nicht auf die Inaktivierung der Viren oder das Abtöten der Bakterien und sonstiger Mikroorganismen. Dadurch ist die Leistung des Desinfektionsmittels nicht mehr gewährleistet. Daher ist eine sorgfältige Reinigung der Oberflächen vor der Desinfektion entscheidend.

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